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Erin Conron: Wie geschichtete Glasoberflächen unsere Wahrnehmung täuschen

Wie die Caloundra Regional Gallery an der australischen Sunshine Coast mitteilt, versammelt die Ausstellung 'Manipulating Vision' genau jene Arbeiten, in denen Conron zwischen Flachheit und Volumen…

Erin Conron: Wie geschichtete Glasoberflächen unsere Wahrnehmung täuschen

Conron im Jahr 2008 ihr Honours-Studium in Glas an der Australian National University abschloss, war für die in Canberra aufgewachsene Künstlerin bereits ein Gedanke angelegt, der sie bis heute trägt: Wie lässt sich Wahrnehmung durch geschichtete Oberflächen gezielt verschieben? Wie die Caloundra Regional Gallery an der australischen Sunshine Coast mitteilt, versammelt die Ausstellung 'Manipulating Vision' genau jene Arbeiten, in denen Conron zwischen Flachheit und Volumen, zwischen Objekt und Bild verhandelt – ein stiller, aber konsequenter Beitrag zur internationalen Gegenwartsdiskussion im Glas.

Werk und Werdegang im australischen Kontext

Erin Conron, geboren und aufgewachsen in Canberra, lebt heute mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Verrierdale an der Sunshine Coast. Von einem eigens errichteten Studio aus arbeitet sie parallel kiln-geformt und geblasen – eine technische Doppelung, die es ihr erlaubt, Oberflächen in mehreren Ofendurchgängen mit Emailfarbe zu überziehen und Linie um Linie aufzubauen. In dieser Werkökonomie verdichtet sich ein Verständnis von Glas als bildgebendem Medium, das nicht in schnellen Blicken aufgeht, sondern konzentrierte Aufmerksamkeit verlangt und dem Material eine ungewohnt ruhige, fast malerische Rolle zuschreibt.

Das Prinzip der verschobenen Wahrnehmung

Das Signet der Schau sind feine, per Hand aufgetragene Email-Linien, die in wiederholten Brennvorgängen Schicht um Schicht übereinanderliegen. Zwischen diesen Lagen entstehen visuelle Spannungen, die an Moiré erinnern und den Eindruck von Tiefe erzeugen, die physisch gar nicht vorhanden ist. Was wie Volumen erscheint, bleibt Fläche – ein bewusst inszeniertes Paradox, das unsere Lesart von Material und Raum leise, aber nachdrücklich auf die Probe stellt. Die Künstlerin lädt damit bewusst zu Stille und langsamem Betrachten ein, also zu jenem Modus, in dem sich die mehrschichtigen Markierungen überhaupt erst entfalten können.

Was sich beim Besuch verfolgen lässt

Wer die Ausstellung besucht, sollte drei Achsen bewusst mitverfolgen: zunächst das Spiel der Linien über mehrere Stücke hinweg, dann den formalen Wechsel zwischen kiln-geformten und geblasenen Formaten, schließlich die Frage, wie die Email-Schicht das einfallende Licht bricht und in scheinbare Tiefe umlenkt. Für eine Leserschaft, die das Glas spätestens seit Erwin Eisch auch als Träger konzeptueller Fragestellungen versteht, ist diese australische Position ein weiteres Indiz dafür, wie produktiv das alte Material nach wie vor als Feld experimenteller Wahrnehmungsforschung dient – und wie lohnend der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus bleibt, wenn man die zeitgenössische Glaskunst in ihrer ganzen Bandbreite verfolgen will.