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S+DLH und VASTO: Wenn zeitgenössische Kunst und Design mit Architektur verschmelzen

Mit "Capsule 04 · Selected to live inside architecture" eröffnen das Madrider Studio SIERRA+DELAHIGUERA (S+DLH) und die in Barcelona beheimatete Galerie VASTO derzeit eine Ausstellung, die die…

S+DLH und VASTO: Wenn zeitgenössische Kunst und Design mit Architektur verschmelzen

Mit "Capsule 04 · Selected to live inside architecture" eröffnen das Madrider Studio SIERRA+DELAHIGUERA (S+DLH) und die in Barcelona beheimatete Galerie VASTO derzeit eine Ausstellung, die die Grenzen zwischen zeitgenössischer Kunst, sammelbarem Design und Architektur bewusst auflöst. Wir sehen hier, wie ein kuratorisches Experiment über die Glasszene hinausweist – denn die Frage, wie Objekte unterschiedlicher Herkunft in einem Raum miteinander wirken, betrifft auch die zeitgenössische Glaskunst in wachsendem Maße.

Galerie und Entwurfspraxis als Partner

Die VASTO-Galerie wurde von Carmen Riestra im Poblenou-Viertel Barcelonas gegründet und bringt drei Positionen ihres Programms in den Madrider Ausstellungsraum an der Calle Orellana. Was diese Zusammenarbeit von üblichen Kooperationen zwischen Galerie und Entwurfsstudio unterscheidet, ist ihre strukturelle Anlage: VASTO wird künftig regelmäßig mit Werken in Wohn- und Gewerbeprojekte von S+DLH integriert, "Capsule 04" versteht sich als erstes Labor einer gemeinsamen Sprache aus Materialität, Atmosphäre und räumlicher Wahrnehmung. Damit verschiebt sich das vertraute Modell, in dem Kunst ein nachträgliches Finish der Innenarchitektur darstellt; Skulptur, Möbel, Licht und gebrauchte Objekte treten in ein gleichberechtigtes Nebeneinander.

Drei künstlerische Handschriften

Die Ausstellung versammelt drei Positionen, die das Material auf sehr unterschiedliche Weise befragen. Pol Agustí, geboren in Barcelona und heute in Mexiko-Stadt arbeitend, formt seine Objekte aus Ton und wiederverwendeten Materialien in niedrigen Brenntemperaturen – Spuren von Geste, Unregelmäßigkeit und Feuer bleiben sichtbar, das Alltägliche kippt ins Symbolische. Max Milà Serra, ebenfalls aus Barcelona, geht einen präziseren Weg: Seine minimalen Strukturen aus Ingenieurskunst und Licht verändern einen Raum weniger durch bloße Beleuchtung als durch eine leise Neukalibrierung der Stimmung. Esther Gatón schließlich arbeitet skulptural und installativ, mit Audiovision und Text; ihre jüngsten Stücke aus handgefärbtem Leinen, in langsamen, nicht wiederholbaren Prozessen entstanden, machen die Variationen von Pigment, Zeit und Geste selbst zum Bildträger.

Daneben zeigt S+DLH eigene Entwürfe – teils erstmals öffentlich, teils aus einem über Jahre gewachsenen Archiv. Die Inszenierung folgt keiner konventionellen Showroom-Logik; die Werke stehen in einer räumlichen Komposition, in der Autorschaft und Kategorie weniger zählen als Nähe, Maßstab und materialer Dialog. So kann eine Leuchte fast wie Skulptur wirken, eine Skulptur hingegen verdächtig bewohnbar – eine bewusst gesetzte Ambiguität, die den Kern der Schau bildet.

Worauf zu achten ist

Für die zeitgenössische Glaskunst lohnt es sich, diese Konstellation aufmerksam zu verfolgen. Betrachtet man die jüngere Entwicklung, so zeigt sich exemplarisch, wie kuratorische und gestalterische Praxis einander annähern – Sammeln erscheint nicht mehr als Akkumulation einzelner Statements, sondern als langfristiger Aufbau von Umgebungen. Wer Ausstellungsräume in Madrid oder Barcelona besucht oder die weiteren Programme beider Häuser verfolgt, sollte im Blick behalten, wie sich dieses Modell jenseits der Pilotphase bewährt. Wenn die Integration von Kunst in Wohn- und Arbeitswelten tatsächlich zum Standard wird, verschieben sich auch die Erwartungen an Glasobjekte – von der Solitärarbeit im White Cube hin zur Mitspielerin in einem größeren räumlichen Gefüge.