Sandstrahlen auf Glas: Anleitung in fünf Schritten

Beim Sandstrahlen auf Glas wird die Oberfläche nicht chemisch gelöst, sondern mechanisch verändert.

Sandstrahlen auf Glas: Anleitung in fünf Schritten

Strahlkörner treffen mit hoher Geschwindigkeit auf das Material, erzeugen mikroskopische Sprünge und lösen anschließend muschelförmige Glasteilchen aus der Oberfläche. Das Ergebnis ist eine matte, lichtstreuende Zone.

Die häufigste Fehlerquelle liegt nicht im Strahlgerät, sondern in einer unpassenden Kombination aus Glasdicke, Strahlmittel, Druck und Abdeckung. Eine zu aggressive Einstellung kann Kanten ausbrechen lassen, die Schablone unterstrahlen oder ein ungleichmäßiges Mattierungsbild erzeugen. Die folgende Sandstrahlen-auf-Glas-Anleitung ordnet den Prozess deshalb nach den tatsächlich entscheidenden Arbeitsschritten.

Sandstrahlen mattiert Glas durch kontrollierten Materialabtrag. Das Verfahren veredelt nicht die gesamte Platte automatisch gleichmäßig, sondern nur dann, wenn Strahlmittel, Druck, Abstand und Schablone zusammenpassen.

1. Glas prüfen und Arbeitsbereich vorbereiten

Vor dem Strahlen steht die Beurteilung des Werkstücks. Klarglas sollte für einen ersten Aufbau eine Mindestdicke von 2 mm besitzen. Dünneres Glas reagiert empfindlicher auf lokale Belastungen. Es sollte nicht ohne vorherigen Test als uneingeschränkt geeignet betrachtet werden.

Die Glasart, die Kantenbearbeitung und der Zustand der Oberfläche bestimmen, wie zuverlässig die Mattierung ausfällt. Kratzer, Staub, Fett und Rückstände unter der Abdeckfolie übertragen sich direkt in das Strahlbild. Eine glatte Oberfläche ist deshalb keine ausreichende Voraussetzung. Sie muss zusätzlich sauber, trocken und frei von Trennmitteln sein.

Vorbereitung in der richtigen Reihenfolge

1. Glasdicke und Zustand kontrollieren.

Risse, Muschelausbrüche und beschädigte Kanten sind Ausschlusskriterien für einen unkontrollierten Test. Besonders an den Kanten können Spannungsspitzen entstehen.

2. Oberfläche reinigen.

Das Glas muss frei von Fett, Staub und Kleberesten sein. Nach der Reinigung darf die Oberfläche nicht mehr mit bloßen Fingern berührt werden.

3. Kanten schützen.

Freiliegende Kanten sollten gegen mechanische Beschädigung geschützt werden. Die Schutzmaßnahme darf die zu mattierende Fläche jedoch nicht verdecken.

4. Strahlkabine vorbereiten.

Das Strahlmittel muss trocken und für das Gerät geeignet sein. Feuchtigkeit verändert den Materialfluss und kann die Düse oder die Zuführung beeinträchtigen.

5. Teststück anlegen.

Die erste Einstellung gehört nicht auf das endgültige Werkstück. Ein Reststück oder ein vergleichbares Glas zeigt, wie sich Druck, Abstand und Strahlmittel tatsächlich auswirken.

Bei ebenen Scheiben ist außerdem die Auflage relevant. Das Glas muss so liegen, dass es während des Strahlens nicht schwingt oder punktuell durch harte Unterlagen belastet wird. Eine instabile Auflage erzeugt keine gleichmäßige Mattierung und kann das Bruchrisiko erhöhen.

2. Strahlmittel auswählen: Edelkorund oder Glasperlen

Für das Glasstrahlen werden vor allem feiner Edelkorund und Glasperlen eingesetzt. Beide Strahlmittel erzeugen eine matte Oberfläche, arbeiten aber mit unterschiedlichem Abtragsverhalten.

Edelkorund besteht aus einem sehr harten Strahlmaterial. Seine Mohs-Härte beträgt 9. Dadurch kann es die Glasoberfläche wirkungsvoll aufbrechen und für präzise Mattierungen oder Tiefengravuren eingesetzt werden. Die Korngröße beeinflusst die Struktur des Finishs. Ein Beispiel für feines Edelkorund liegt im Bereich von 0,150 bis 0,212 mm.

Glasperlen arbeiten in der Regel gleichmäßiger und erzeugen eine satinierte, weniger scharf abtragende Oberfläche. Sie eignen sich, wenn eine flächige Mattierung mit homogener Wirkung benötigt wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass Glasperlen jede Oberfläche automatisch schonen. Auch hier bleiben Druck, Abstand, Strahlzeit und Glasqualität maßgeblich.

ParameterEdelkorundGlasperlen
HärteSehr hoch, Korund mit 9 MohsGeringere abrasive Wirkung als Korund
Typische WirkungDeutlicher Materialabtrag, geeignet für präzise Mattierungen und TiefenGleichmäßige, satinierte Mattierung
OberflächencharakterJe nach Korn und Druck stärker aufgerautTendenziell homogener und weicher
Einsatz bei DekorenGeeignet für scharf definierte und mehrstufige ArbeitenGeeignet für gleichmäßige Flächen und satinierte Effekte
Fehlerbild bei falscher EinstellungZu starker Abtrag, Unterstrahlung der Schablone, KantenausbruchUngleichmäßige Mattierung bei zu kurzer oder uneinheitlicher Bearbeitung

Die Auswahl sollte nicht nach dem Namen des Strahlmittels erfolgen, sondern nach dem gewünschten Oberflächenzustand. Für eine einfache Sichtschutzmattierung kann eine gleichmäßige, satinierte Struktur genügen. Für ein Dekor mit klaren Konturen oder unterschiedlichen Tiefen ist ein präziser kontrollierbarer Abtrag wichtiger.

Korngröße und Oberfläche

Feineres Strahlmittel ermöglicht eine feinere Oberflächenstruktur, verlangt aber eine saubere Prozessführung. Grobe Körner übertragen mehr Energie auf einzelne Auftreffpunkte und können Kanten sowie schmale Stege stärker belasten. Eine universelle Einstellung für alle Glasarten existiert nicht.

Das Strahlmittel darf außerdem nicht unkontrolliert mit anderen Materialien vermischt werden. Rückstände aus früheren Anwendungen können die Oberfläche verunreinigen oder das Strahlbild verändern. Bei wiederholten Arbeiten muss die Strahlmittelzufuhr gleichmäßig bleiben.

3. Glasoberfläche mit einer Folienschablone abdecken

Eine Folienschablone trennt die zu mattierenden Bereiche von den klar bleibenden Flächen. Nicht zu bearbeitende Stellen werden mit einer geeigneten Abdeckfolie geschützt. Für solche Arbeiten kommen unter anderem spezialisierte Folienschablonen und plottergeschnittene Folien zum Einsatz. Als Beispiel für eine verwendete Folienqualität wird Oracal 751 genannt; entscheidend bleibt jedoch die Eignung für Strahlmittel, Druck und Motivgröße.

Die Schablone muss vollständig auf dem Glas haften. Schon eine kleine Falte, ein Staubkorn oder eine nicht angedrückte Kante kann dazu führen, dass Strahlgut unter die Folie gelangt. Das Motiv erscheint dann unscharf. Bei feinen Linien ist dieser Effekt stärker als bei großen geschlossenen Flächen.

Schablone anbringen

1. Motiv auf die Folie übertragen.

Konturen müssen sauber geschnitten sein. Besonders schmale Stege dürfen nicht so filigran ausfallen, dass sie sich beim Entfernen oder Andrücken verformen.

2. Trägerfolie kontrolliert abziehen.

Die Klebefläche darf nicht mit Staub oder Hautfett in Kontakt kommen.

3. Folie von einer Seite zur anderen auflegen.

Nicht die gesamte Folie gleichzeitig auf das Glas fallen lassen. Ein schrittweises Anrakeln reduziert Falten und eingeschlossene Luft.

4. Kanten und Innenflächen andrücken.

Jede Kontur muss fest anliegen. Bei komplizierten Motiven ist die Randzone wichtiger als die große freie Fläche.

5. Überstehende Bereiche zusätzlich abdecken.

Eine Schablone schützt nur die Fläche, die tatsächlich mit Folie bedeckt ist. Freie Glasbereiche können durch zurückgestreutes Strahlmittel ebenfalls matt werden.

Eine Glas-Sandstrahlschablone ist keine reine Markierung. Sie ist eine mechanische Barriere. Ihre Haftung muss daher zum Druckbereich und zum verwendeten Strahlmittel passen. Je höher die abrasive Belastung, desto weniger toleriert der Prozess lose Folienränder.

Sichtschutzfläche und Dekor unterscheiden

Bei einer flächigen Mattierung wird meist eine große Zone geöffnet und der Rand geschützt. Das Verfahren ist vergleichsweise unempfindlich gegenüber kleinen geometrischen Abweichungen. Bei einem Logo, einer Schrift oder einem ornamentalen Muster zählt dagegen die Kantenschärfe. Dort muss die Schablone ohne Unterbrechung anliegen, und der Strahl muss möglichst gleichmäßig auf die Fläche treffen.

Bei transparenten Folien kann die Kontrolle der offenen und geschützten Bereiche schwieriger sein. Eine klare Markierung der später zu entfernenden Foliensegmente verhindert, dass versehentlich die falsche Schicht geöffnet wird.

4. Strahlgerät einstellen und die Fläche bearbeiten

Der Strahldruck wird nicht isoliert festgelegt. Er wirkt zusammen mit Korngröße, Düsengeometrie, Abstand, Bewegungsführung und Bearbeitungsdauer. Der dokumentierte Niederdruckbereich für das Glasstrahlen reicht ungefähr von 0,8 bis 10,0 bar. Dieser Bereich ist keine fertige Arbeitsanweisung für jedes Werkstück. Die geeignete Einstellung muss am Teststück ermittelt werden.

Ein niedriger Druck reduziert zunächst die Belastung der Oberfläche. Er kann für empfindliche Kanten oder einen ersten Test sinnvoll sein. Ein höherer Druck beschleunigt den Abtrag, vergrößert aber das Risiko, dass die Schablone unterstrahlt wird oder das Glas lokal stärker aufgeraut wird. Auch ein zu langer Aufenthalt an einer Stelle erzeugt eine ungleichmäßige Tiefe.

Kontrollierte Bearbeitung

Erstens wird die Düse gleichmäßig über die Oberfläche geführt. Die Bewegung darf nicht an einzelnen Punkten stehen bleiben. Ein wechselnder Abstand erzeugt unterschiedliche Auftreffenergien und damit sichtbare Helligkeits- und Strukturunterschiede.

Zweitens wird die Fläche in überlappenden Bahnen bearbeitet. Die Überlappung muss konstant bleiben. Werden Bahnen zu weit auseinandergeführt, entstehen Streifen. Werden sie zu stark überlagert, kann die Mitte der Überlappung stärker abgetragen werden.

Drittens wird der Fortschritt in kurzen Abständen kontrolliert. Die Schablone bleibt dabei zunächst auf dem Werkstück. Eine Teilfläche kann vorsichtig freigelegt werden, um die Mattierung zu beurteilen. Das endgültige Ergebnis lässt sich erst nach Entfernung der Folie vollständig bewerten.

Viertens werden Kanten und schmale Stege mit geringerer Belastung behandelt. Direkt an einer Schablonenkante kann das Strahlgut die Folie unterwandern. Ein rechtwinkliges, langes Verweilen an der Kontur verschlechtert die Definition.

Fünftens wird die Bearbeitung beendet, sobald der gewünschte Mattierungsgrad erreicht ist. Mehr Strahlzeit bedeutet nicht automatisch ein besseres Finish. Die Oberfläche wird rauer, während die optische Wirkung je nach Licht und Betrachtungswinkel nur noch gering zunimmt.

Die Düse erzeugt kein gleichmäßiges Ergebnis durch Druck allein. Gleichmäßigkeit entsteht aus konstanter Bewegung, konstantem Abstand und einer Schablone ohne lose Kanten.

Typische Druckfehler

Zu niedriger Druck:

Die Fläche wird nur teilweise matt. Das Strahlbild wirkt fleckig, weil einzelne Bereiche nicht ausreichend aufgebrochen werden. Bei einer Tiefengravur bleibt die gewünschte Stufe unvollständig.

Zu hoher Druck:

Das Strahlmittel kann die Randbereiche stärker angreifen. Die Schablone verliert an Definition, und empfindliche Glaszonen werden unnötig belastet.

Unruhige Handführung:

Die Düse bleibt an manchen Stellen länger stehen. Das führt zu sichtbaren Inseln mit höherem Abtrag.

Falscher Abstand:

Ein zu großer Abstand schwächt die Bearbeitung. Ein zu kleiner Abstand konzentriert die Belastung auf eine zu kleine Zone.

Verunreinigtes Strahlmittel:

Fremdkörper und Feuchtigkeit können den Materialfluss und das Oberflächenbild verändern.

Das Strahlgerät sollte ausschließlich in einer dafür vorgesehenen, geschlossenen oder geeigneten abgesaugten Umgebung betrieben werden. Die Staubbelastung darf nicht unterschätzt werden. Geeignete Schutzkleidung, Augen- und Gesichtsschutz sowie ein auf die Anlage abgestimmter Atemschutz gehören zur technischen Vorbereitung. Quarzhaltiger Staub ist kein harmloses Nebenprodukt; eine geschlossene Kabine ersetzt nicht automatisch jede persönliche Schutzmaßnahme.

5. Schablone entfernen und mehrstufige Mattierungen ausführen

Nach der ersten Bearbeitungsstufe wird das Glas nicht sofort vollständig freigelegt, wenn ein mehrstufiges Dekor geplant ist. Durch das schrittweise Entfernen von Foliensegmenten lassen sich unterschiedliche Mattierungsgrade und Schichteffekte erzeugen.

Das Prinzip ist einfach: Eine Fläche bleibt zunächst geschützt, während eine andere Zone gestrahlt wird. Danach wird ein weiterer Teil der Schablone entfernt und erneut bearbeitet. Die bereits matte Zone erhält dadurch eine zusätzliche Strahlstufe. Je nach Ausführung entstehen abgestufte Flächen, Reliefwirkungen oder unterschiedliche Lichtstreuung innerhalb eines Motivs.

Vorgehen bei einer mehrstufigen Schablone

1. Erste Ebene öffnen.

Nur die Flächen freilegen, die den geringsten oder ersten Mattierungsgrad erhalten sollen.

2. Erste Strahlstufe ausführen.

Die Düse mit der zuvor am Teststück ermittelten Bewegung führen. Druck und Abstand bleiben unverändert.

3. Strahlmittel entfernen.

Lose Körner müssen von der Oberfläche und aus den Folienkanten entfernt werden, bevor weitere Bereiche geöffnet werden.

4. Zweite Ebene freilegen.

Die Folie vorsichtig entfernen, ohne die Randbereiche der ersten Stufe zu beschädigen.

5. Zweite Strahlstufe ausführen.

Die bereits bearbeitete Fläche wird erneut getroffen, während die neu geöffnete Fläche ihre erste Stufe erhält.

6. Schablone vollständig entfernen und kontrollieren.

Erst jetzt zeigt sich die gesamte Abstufung. Folienreste werden ohne scharfes Werkzeug entfernt, das die matte und klare Zone verkratzen könnte.

Die Tiefenwirkung bleibt von der konkreten Glasart, dem Strahlmittel und der Bearbeitungsführung abhängig. Eine universelle Zeitangabe für Tiefengravuren lässt sich deshalb nicht seriös angeben. Maßgeblich ist die Kontrolle am Teststück und die reproduzierbare Wiederholung der einzelnen Stufen.

Warum das Glas trotz Mattierung lichtdurchlässig bleibt

Beim Sandstrahlen wird die glatte Oberfläche aufgeraut. Die einfallende Lichtstrahlung wird an den vielen kleinen Unebenheiten gestreut. Dadurch verliert die Fläche ihre klare Durchsicht und erscheint matt. Das Glas bleibt jedoch lichtdurchlässig, weil das Verfahren die Oberfläche verändert und das Material nicht vollständig opak macht.

Die optische Wirkung hängt von der Rauheit und der Tiefe der Bearbeitung ab. Eine leichte Mattierung streut das Licht anders als eine tiefere Gravur. Mehrstufige Dekore nutzen genau diesen Unterschied. Sie erzeugen keine chemisch getrennten Farbschichten, sondern verschiedene Oberflächenzustände.

Das Verfahren unterscheidet sich damit grundsätzlich vom chemischen Glasätzen. Beim Sandstrahlen wird keine Flusssäure eingesetzt. Die Struktur entsteht durch mechanischen Abtrag mit Strahlgut. Das verändert die Anforderungen an Werkzeug, Absaugung, Folie und Prozesskontrolle, nicht aber die Notwendigkeit einer sorgfältigen Gefährdungsbeurteilung.

Kanten, Bruchrisiko und Nachbearbeitung

Die Glasfläche ist nicht an jeder Stelle gleich belastbar. Kanten, Bohrungen, Aussparungen und bereits beschädigte Bereiche reagieren empfindlicher als eine unbeschädigte zentrale Fläche. Das Strahlbild kann dort früher ausbrechen oder sich ungleichmäßig entwickeln.

Eine Folienschablone schützt vor dem Strahlmittel, nicht vor jeder mechanischen Belastung. Beim Anrakeln, Schneiden und Abziehen entstehen ebenfalls Kräfte auf der Oberfläche. Werkzeuge dürfen deshalb nicht über die freie Glasfläche gezogen werden. Auch die Reinigung nach dem Strahlen muss kontrolliert erfolgen.

Nach der Bearbeitung wird das Werkstück von Strahlmittelresten befreit. Die matte Zone darf nicht mit aggressiven oder ungeeigneten Mitteln behandelt werden, bevor klar ist, wie die Oberfläche auf die Reinigung reagiert. Die aufgeraute Glasfläche besitzt eine andere Schmutzaufnahme als poliertes Glas. Bei dekorativen Arbeiten sollte die Reinigung zunächst an einem unauffälligen Rand geprüft werden.

Fehlerbilder systematisch auswerten

Ein ungleichmäßiges Ergebnis ist meist auf eine konkrete Abweichung im Ablauf zurückzuführen. Die Fehlersuche beginnt daher nicht mit einer neuen Strahlmischung, sondern mit der Rekonstruktion der Bearbeitung.

FehlerbildWahrscheinliche UrsacheKorrektur im nächsten Test
Fleckige MattierungUnterschiedliche Strahlzeit oder unruhige BewegungBahnen gleichmäßiger führen und die Fläche systematisch überlappen
Unscharfe KonturenFolienkante haftet nicht vollständig oder wird unterstrahltOberfläche besser reinigen, Kanten stärker andrücken, Druck reduzieren
Zu geringer AbtragDruck, Strahlzeit oder Strahlmittelwirkung reichen nicht ausAm Teststück nur einen Parameter verändern
Sichtbare StreifenAbstand oder Bewegungsrichtung wechselnKonstante Führung und definierte Bahnbreite verwenden
KantenausbrücheZu hohe lokale Belastung oder VorschädigungKanten schützen, Druck reduzieren und beschädigtes Glas aussortieren
Unterschiedliche Stufen im DekorFoliensegmente wurden nicht sauber getrennt oder Bearbeitungszeit variiertSchablone markieren und jede Stufe mit identischen Bewegungsabläufen bearbeiten

Der wichtigste methodische Grundsatz lautet: Pro Test wird nur ein Parameter verändert. Werden gleichzeitig Strahlmittel, Druck und Abstand angepasst, bleibt die Ursache eines besseren oder schlechteren Ergebnisses unklar. Für wiederholbare Arbeiten müssen die Einstellungen dokumentiert werden. Dazu gehören mindestens Glasart und Glasdicke, Strahlmittel, Korngröße, Druckbereich, Düsenabstand, Bewegungsführung und Anzahl der Bearbeitungsstufen.

Mechanisches Sandstrahlen und chemisches Ätzen nicht verwechseln

Die Verfahren erzeugen ähnliche visuelle Ergebnisse, beruhen aber auf unterschiedlichen physikalischen Vorgängen. Beim Sandstrahlen trifft ein festes Strahlmittel auf die Oberfläche. Die Oberfläche wird aufgeraut und lokal abgetragen. Beim chemischen Ätzen reagiert ein chemisches Mittel mit dem Glas.

Für die praktische Arbeit bedeutet das:

  • Beim Sandstrahlen bestimmen Druck, Korn, Abstand und Bewegung den Abtrag.
  • Die Schablone muss dem mechanischen Angriff standhalten.
  • Staub und Strahlmittel müssen kontrolliert geführt und abgesaugt werden.
  • Die matte Oberfläche bleibt grundsätzlich lichtdurchlässig.
  • Flusssäure gehört nicht zum mechanischen Sandstrahlverfahren.
  • Ein Ergebnis aus dem chemischen Ätzprozess lässt sich nicht ohne Weiteres durch dieselben Parameter reproduzieren.

Diese Unterscheidung ist besonders relevant, wenn eine Anleitung oder ein Werkstattaufbau aus einem anderen Verfahren übernommen wird. Eine Folie, die gegen ein chemisches Ätzmittel beständig ist, muss nicht automatisch für abrasive Körner und Druckluft geeignet sein. Umgekehrt kann eine mechanisch belastbare Strahlfolie für chemische Medien ungeeignet sein.

Ergebnis beurteilen: Mattierung, Tiefe und Randqualität

Nach dem Entfernen der Schablone werden drei Eigenschaften getrennt beurteilt.

Erstens die Flächengleichmäßigkeit. Die matte Zone sollte keine sichtbaren Bahnen, Inseln oder ungewollten Übergänge aufweisen. Kleine Unterschiede können durch die Beleuchtung verstärkt werden. Die Kontrolle sollte deshalb unter mehr als einer Lichtposition erfolgen.

Zweitens die Randdefinition. Bei einem Dekor müssen die Konturen sauber zwischen klarer und matter Zone trennen. Eine leicht ausgefranste Kante weist meist auf eine unzureichende Folienhaftung oder eine zu aggressive Strahlführung hin.

Drittens der Mattierungsgrad. Eine hell erscheinende Fläche ist nicht automatisch tiefer bearbeitet. Die optische Wirkung hängt von der Oberflächenstruktur und der Lichtstreuung ab. Bei mehrstufigen Arbeiten müssen die einzelnen Ebenen unter denselben Bedingungen verglichen werden.

Eine Oberfläche kann technisch gleichmäßig sein und dennoch nicht zur vorgesehenen Anwendung passen. Für Sichtschutz, Beschriftung, Ornament und Tiefengravur gelten unterschiedliche Anforderungen. Die Beurteilung muss daher an der Funktion des Werkstücks ansetzen, nicht nur am Kontrast zwischen klar und matt.

Fazit

Eine belastbare Sandstrahlen-auf-Glas-Anleitung beginnt mit der Materialprüfung und endet nicht mit dem Einschalten des Strahlgeräts. Die entscheidenden Schritte sind:

1. Glasdicke, Kanten und Oberfläche prüfen.

2. Edelkorund oder Glasperlen nach dem gewünschten Abtrag auswählen.

3. Eine haftende, sauber geschnittene Folienschablone aufbringen.

4. Druck, Abstand und Bewegung am Teststück kontrollieren.

5. Für mehrstufige Effekte die Folie in klar definierten Ebenen entfernen.

Sandstrahlen ist ein präzises mechanisches Verfahren, aber kein automatischer Mattierungsprozess. Die Oberfläche wird durch viele einzelne Auftreffvorgänge verändert. Wer diese Vorgänge über konstante Parameter kontrolliert, erhält reproduzierbare Flächen, scharfe Dekore und nachvollziehbare Tiefenstufen. Wer Druck und Strahlzeit ohne Test verändert, produziert dagegen vor allem schwer erklärbare Fehlerbilder.

Häufige Fragen

Wie dick sollte Glas für einen ersten Sandstrahltest mindestens sein?
Klarglas sollte für einen ersten Aufbau eine Mindestdicke von 2 mm besitzen. Dünneres Glas reagiert empfindlicher auf lokale Belastungen und sollte nicht ohne vorherigen Test als uneingeschränkt geeignet betrachtet werden.
Welches Strahlmittel eignet sich zum Sandstrahlen von Glas?
Für das Glasstrahlen werden vor allem feiner Edelkorund und Glasperlen eingesetzt. Edelkorund ermöglicht einen deutlicheren, präzise kontrollierbaren Abtrag, während Glasperlen in der Regel eine gleichmäßigere, satinierte Mattierung erzeugen.
Welcher Druck ist beim Sandstrahlen auf Glas üblich?
Der dokumentierte Niederdruckbereich reicht ungefähr von 0,8 bis 10,0 bar. Die geeignete Einstellung hängt jedoch vom Werkstück und den übrigen Parametern ab und muss am Teststück ermittelt werden.
Wie verhindert man unscharfe Konturen beim Sandstrahlen auf Glas?
Die Oberfläche muss sauber, trocken und frei von Fett, Staub und Kleberesten sein. Außerdem müssen alle Kanten der Folienschablone fest anliegen, damit kein Strahlgut darunter gelangt.
Warum bleibt sandgestrahltes Glas lichtdurchlässig?
Beim Sandstrahlen wird die glatte Oberfläche aufgeraut, wodurch das einfallende Licht an den Unebenheiten gestreut wird. Das Glas verliert seine klare Durchsicht, wird aber durch die Oberflächenveränderung nicht vollständig opak.