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3.000 Jahre chinesische Glaskunst: Poly MGM Museum zeigt seltene Liuli-Meisterwerke

Rund 180 Objekte und ein Zeitfenster von 3.000 Jahren — das sind die beiden Eckdaten, mit denen das Poly MGM Museum in Macau ab Oktober 2026 eine neue Großausstellung zur chinesischen Glaskunst eröffnet.

3.000 Jahre chinesische Glaskunst: Poly MGM Museum zeigt seltene Liuli-Meisterwerke

Unter dem Titel Luminous Brilliance: The Artistry of Zibo Liuli zeichnet die Schau, die in Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum von China und dem Zibo Ceramics and Glass Museum entstanden ist, die Entwicklung des Liuli von den frühesten Belegen bis in die Gegenwart nach und läuft bis März 2027.

Drei Kapitel einer Kontinuität

Die Kuratorinnen und Kuratoren gliedern die Präsentation in drei thematische Kapitel, die den Bogen von der Antike bis in unsere Zeit schlagen. Das erste Kapitel, Forging a Millennium Legacy, stellt sogenannte „Dragonfly-Eye"-Perlen aus der Epoche der Streitenden Reiche und Relikte der Boshan-Öfen direkt neben Artefakte aus dem römischen, sassanidisch-persischen und islamischen Raum. Diese Gegenüberstellung macht sichtbar, wie sehr sich Material, Technik und Ästhetik über die eurasischen Handelsrouten gegenseitig befruchtet haben — und wie chinesisches Liuli sich bereits früh als gleichrangiger Player im internationalen Glasdiskurs verstand.

Das zweite Kapitel, Eternal Iridescence, rückt die handwerklichen Verfahren in den Mittelpunkt: verlorener Wachsguß, Innenmalerei und Glasschnitt werden als jene Techniken vorgestellt, die Liuli über Jahrhunderte seine unverwechselbare Formsprache gaben. Zu den Schlüsselwerken zählen eine traubenförmige Glasflasche sowie eine kunstvoll gearbeitete Liuli-Phönixkrone.

Im dritten Kapitel, Exquisite Objects of Timeless Elegance, führt die historische Linie in die Gegenwart. Hier treffen zeitgenössische Arbeiten chinesischer Glasgestalter auf Werke von Dale Chihuly aus der Sammlung des MGM — ein Auftritt, der das Museum programmatisch als Schauplatz des globalen Austauschs profiliert.

Ein Standortprofil und ein digitaler Rahmen

Dass die Schau in Macau Station macht, ist kein Zufall: Die Sonderverwaltungsregion setzt seit Jahren gezielt auf kulturelle Diversifizierung jenseits des Glücksspielsektors. Die Ausstellung setzt diesen Kurs programmatisch fort und inszeniert sich in Räumen, die Elemente der Lingnan-Architektur aufgreifen — mit einem zentralen Liuli-Garten, in dem die Installation Twelve Flower Deities als verbindendes Herzstück dient. Ergänzt wird die klassische Präsentation durch patentierte holografische Vitrinen des Mutterkonzerns Poly Culture, die per Touch-Funktion Hintergrundinformationen zu den Exponaten erschließen.

Was den Diskurs betrifft

Betrachten wir das Ganze aus der Perspektive des internationalen Glasdiskurses, so verdichtet sich hier etwas Bemerkenswertes: Eine Institution, die das Erbe einer regionalen Handwerkstradition als national bedeutendes immaterielles Kulturgut verankert sieht, öffnet sich gleichzeitig für die avanciertesten Positionen der westlich geprägten Studioglas-Bewegung. Wir sehen hier den Versuch, Herkunftspflege und Gegenwartsproduktion nicht als Gegensatz, sondern als Spannungsfeld zu inszenieren — ein Modell, das auch für unsere Diskussion über die europäische Glasgeschichte relevant bleibt. Wer die Entwicklung des Liuli verstehen will, erhält in Macau also nicht nur einen Blick zurück auf 3.000 Jahre, sondern auch einen Blick darauf, wie sich kulturelles Selbstverständnis im Medium Glas heute neu verhandelt.