Of Sand & Ash: Zeitgenössische Glaskunst aus Irland in Dublin
66 Glasmacherinnen und Glasmacher, 99 Werke – und ein Titel, der an die alchemistischen Ursprünge des Materials erinnert: Wie das Design and Crafts Council Ireland in Partnerschaft mit der Glass…

66 Glasmacherinnen und Glasmacher, 99 Werke – und ein Titel, der an die alchemistischen Ursprünge des Materials erinnert: Wie das Design and Crafts Council Ireland in Partnerschaft mit der Glass Society of Ireland (GSoI) mitteilt, versammelt die neue Schau „Of Sand & Ash" in der National Design & Craft Gallery in Dublin die zeitgenössische irische Glaskunst. Wir sehen hier einen bemerkenswerten Diskurs über die Formensprache einer ganzen Nation sich formieren – mit einer Selbstverständlichkeit, die an die großen Phasen der deutschen Studioglas-Bewegung um Erwin Eisch erinnert. Als Überblick über die heutige irische Glaspraxis ist die Schau in dieser Verdichtung ohne Beispiel.
Ein Panorama von 66 Stimmen
Die Ausstellung läuft noch bis Samstag, den 24. Oktober, und ist kostenfrei zugänglich – geöffnet von Dienstag bis Samstag zwischen 10 und 17:30 Uhr. Mit Alison Mac Cormaic und Derek Irwin sind zwei profilierte Vertreterinnen und Vertreter aus Galway Teil des Panoramas, doch die Schau versteht sich ausdrücklich nicht als regionaler Querschnitt. Stattdessen bringt sie Tradition, Innovation und nationale Talente zusammen und versammelt unterschiedlichste Glasverfahren unter einem Dach – der Besuch wird damit weniger zur Werk-Galerie als zur Werkstatt-Landkarte der gesamten Insel.
Was Mary Blanchfield, CEO des Design & Crafts Council Ireland, in diesem Kontext betont, lässt sich durchaus als programmatische Wegmarke lesen: Die Ausstellung zeige das Handwerk durch seine Macherinnen und Macher, seine Prozesse, sein Können und Wissen – und führe zugleich vor Augen, wie die irische Handwerkstradition Gesellschaft und kulturelle Identität weiter forme, inspiriere und präge. Es ist genau jene Verschränkung von Technik und kulturellem Selbstverständnis, die auch für die deutsche Studioglas-Szene um Erwin Eisch prägend war.
Worauf zu achten bleibt
Bemerkenswert ist, dass die Schau den Studios selbst eine Bühne bietet: Besucherinnen und Besucher werden nicht nur mit Objekten, sondern auch mit den Praktiken und Intentionen dahinter konfrontiert – sie erhalten Einblick in die technische Ausführung ebenso wie in die gestalterische Absicht jedes Werks. In einer Zeit, in der handwerkliche Diskurse oft genug im Schatten der Großevents verschwinden, ist dies ein leiser, aber entscheidender Paradigmenwechsel hin zu mehr institutioneller Sichtbarkeit.
Wer das irische Glas also nicht nur als Tourist, sondern als Zeitgenosse der Studioglas-Bewegung sehen möchte, dem sei der Weg nach Dublin empfohlen – oder, falls eine Reise nicht möglich ist, der Blick in die kommenden Begleitpublikationen und Programmschwerpunkte der GSoI. Denn was hier unter „Of Sand & Ash" zusammenkommt, ist mehr als eine saisonale Ausstellung: Es ist eine Momentaufnahme jener institutionellen Akzeptanz, die das zeitgenössische Glas braucht, um nicht nur als Material, sondern als eigene Sprache gehört zu werden.