Won Ji Lim: Wenn Glas und Zement zu skulpturalen Körpern verschmelzen
Designboom dokumentiert eine ungewöhnliche Werkstoffpaarung in der zeitgenössischen Glaspraxis: Won Ji Lim verbindet opaken Zement mit transparentem Glas zu drei Werkreihen — Untitled, Anima-in anima…

Designboom dokumentiert eine ungewöhnliche Werkstoffpaarung in der zeitgenössischen Glaspraxis: Won Ji Lim verbindet opaken Zement mit transparentem Glas zu drei Werkreihen — Untitled, Anima-in anima und We are living in a room. Im Mittelpunkt steht nicht das anatomische Motiv, sondern das Materialverhalten. Beide Stoffe werden gegossen, das Glas wird zusätzlich im Ofen geschmolzen und neu verformt, sodass das Werkstück starre und zuvor flüssige Zonen in einem Bauteil vereint.
Werkstofflogik: Dichte, Gewicht, Sichtbarkeit
Lim nutzt die gegensätzlichen Eigenschaften der beiden Werkstoffe. Der Zement bleibt opak, das Glas durchscheinend, beide werden gegossen und im selben Bauteil zusammengeführt. Das Glas durchläuft zusätzlich eine Ofenphase und wechselt dabei in den flüssigen Zustand, bevor es gemeinsam mit dem abbindenden Zement erstarrt. Farbe wird bewusst nicht anatomisch eingesetzt; die Designboom-Übersicht hebt hervor, dass das Verfahren den Nachbau des Körpers vermeidet und stattdessen Aufrichtigkeit, Symmetrie und das Verhältnis von Hülle zu Inhalt als formgebende Parameter behandelt.
Guss, Einschluss und Kontrast als Formbausteine
Über die drei Serien hinweg kommen fünf Techniken zum Einsatz: Gießen, Stapeln, Einschließen, Montage und Juxtaposition. Glasflaschen und Acrylboxen liefern die definierte Außenhülle; im Inneren wirken Strümpfe, Schwämme, Schaumstoff, Watte, Garn, Luftpolsterfolie, Akustikplatten und Aqua-Sticks als Gegenpol. Weichheit drückt gegen Steifigkeit, durchsichtige Flächen legen frei, was sonst geschlossen bliebe.
Symmetrie entsteht durch die Anordnung der Objekte, Transparenz übernimmt die Rolle eines sichtbar gemachten Inneren, Dichte und Eigengewicht simulieren physische Masse. Die Quelle hält fest: nichts erinnert tatsächlich an Organ oder Glied, der körperliche Bezug bleibt dennoch bestehen.
Übersetzung als Werkstattaufgabe
Einen verwandten Vorgang dokumentiert die Martha's Vineyard Times: Die Textilkünstlerin Jennifer Brown hat im Visiting-Artist-Programm von Martha's Vineyard Glassworks mit Beteiligung der Field Gallery ihre flachen Textilien über fünf Werkstattsitzungen in mundgeblasenes Glas überführt. Werkstattleiter Wil Sideman beschreibt das Programm als gezielte Suche nach Künstlern ohne Glaserfahrung, damit die Übersetzung fremd bleibe und nicht von hauseigener Glas-Logik überformt werde.
Brown arbeitet mit verschachtelten Schalen als dreidimensionaler Erweiterung ihrer Stoffschichtung und mit horizontal geführten Farbwellen — eine Abweichung von der vertikalen Linienführung klassischen Glasblasens. Für Werkstätten, die mit Künstlern anderer Disziplinen kooperieren, zeigen beide Fälle dieselbe Konstante: das Material bestimmt den Übersetzungsweg, nicht die ursprüngliche Idee der Gastkünstlerin.