Glas im Dialog: Die Ausstellung Ansichten – Durchsichten in Baruth
Blickpunkt Brandenburg meldet die Retrospektive „Ansichten – Durchsichten.

Zwei Ausstellungen beleuchten Wechselwirkungen von Material und Verarbeitung
Im September 2026 eröffnen zwei Ausstellungen, die sich mit den physikalischen Grenzen und gestalterischen Möglichkeiten von Glas beschäftigen. Blickpunkt Brandenburg meldet die Retrospektive „Ansichten – Durchsichten. Zwei Blickweisen“ von Beate Bolender und Norbert Horenk im Museum Baruther Glashütte. Parallel dazu zeigt die Prager Galerie skla laut Czech Art Point Arbeiten von Petr Stacho unter dem Titel „Beyond the Surface“. Für Glaskünstler und Techniker bieten beide Schauen konkrete Einblicke in den Umgang mit Materialspannungen und kombinierten Verarbeitungsverfahren.
Material- und Technikdialog: Fusing versus Hüttentechnik
Die Ausstellung in Baruth konzentriert sich auf den experimentellen Dialog zwischen den Techniken der beiden Künstler. Beate Bolender nutzt primär Fusing-Prozesse, bei dem Glas in Gipspositive eingeformt und verschmolzen wird. Die Kontrolle der Entspannungskurve und der Transformationstemperatur ist hier entscheidend, um Skulpturaleffekte und definierte Farbbrillanz zu erzielen. Norbert Horenk arbeitet dagegen aus der klassischen Hüttentechnik: Er fertigt Glaskörper durch Glasmacher und appliziert Glasfolien aus der Lampenarbeit. Diese Kombination verschiedener Aggregatzustände und Verarbeitungstemperaturen in einem Werk erfordert präzise Kalkulation der thermischen Ausdehnungskoeffizienten, um Spannungsrisse im fertigen Objekt zu vermeiden.
Die Erforschung innerer Spannung: Ein Gegenpol aus Prag
Die Prager Ausstellung rückt den Werkstoff selbst in den Fokus. Petr Stachos Glasskulpturen erforschen laut der Quelle explizit innere Materialspannungen und Lichtreflexionen. Dies verweist auf die bewusste Nutzung oder gezielte Erzeugung von Eigenspannungen im Kühlprozess. Solche Spannungszustände bestimmen maßgeblich die optische Wirkung von Lichtbrechung und Reflexion. Für den Praktiker ist dies eine Aufforderung, Kühlprofile und Kühlöfen nicht nur als abschließenden Arbeitsschritt, sondern als aktives gestalterisches Werkzeug zu betrachten.
Praktische Implikationen für die eigene Arbeit
Beide Ausstellungen unterstreichen, dass der gestalterische Erfolg stark von der Kenntnis der Ofenarbeit und der materialphysikalischen Grenzen abhängt. Ein wesentlicher Checkpunkt für interessierte Handwerker ist daher: Welche spezifischen Fehlertoleranzen und Ergebnisse lassen sich aus den gezeigten Verfahren ableiten? Die Schau in Baruth demonstriert, wie unterschiedliche Schmelzprozesse zu festgelegten materiellen Endzuständen führen. Die Werke aus Prag laden dazu ein, die Entspannungskurve des Glases gezielt zu manipulieren. Beide Ansätze bestätigen, dass das Management von Temperaturgradienten und Zeitspannen während der Verarbeitung und Abkühlung die zentrale, messbare Stellschraube bleibt. Eine Registrierung für die Eröffnung in Prag wird empfohlen, die Plätze sind begrenzt.