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Glaskunst in Frauenau: Zwei Ausstellungen beleuchten neue Perspektiven

wei Ausstellungen unter einem Dach – das Glasmuseum Frauenau im Kreis Regen bündelt derzeit, wie die Zeitung Pnp berichtet, zwei sehr unterschiedliche Kapitel zeitgenössischer Glaskunst.

Glaskunst in Frauenau: Zwei Ausstellungen beleuchten neue Perspektiven

Die Glaskünstlervereinigung NRW e.V. zeigt unter dem Titel „Sichtbar" verborgene Gedankenwelten, parallel versammelt „form follows f…" Arbeiten der vergangenen zehn Jahre aus der Glaswerkstätte Cornelius Réer. Wer die deutsche Glaslandschaft kennt, weiß: Frauenau ist nicht einfach ein weiterer Ausstellungsort – hier, inmitten des Bayerischen Waldes, entschied sich über Jahrzehnte, welche Formensprache das europäische Studioglas überhaupt für sich beanspruchen durfte.

„Sichtbar" – Was die NRW-Vereinigung sichtbar machen will

Die Ausstellung „Sichtbar" geht laut dem Bericht jenen inneren Bildern nach, die im Werk von Glaskünstlerinnen und Glaskünstlern zunächst im Verborgenen bleiben. Der Titel ist dabei klug gewählt, denn Glas oszilliert als Material ohnehin beständig zwischen Verbergen und Enthüllen – wer je ein dickwandiges Objekt gegen das Licht gehalten hat, kennt dieses Spiel. Indem die NRW-Vereinigung ihre Mitglieder unter einem programmatischen Begriff versammelt, verschiebt sie den Diskurs vom reinen Werkbild hin zur Frage nach dem, was die Form überhaupt hervorgebracht hat. Für die institutionelle Akzeptanz der westdeutschen Glaskunstszene ist das ein bemerkenswerter Schritt: Sie tritt damit selbstbewusst neben die traditionsreichen bayerischen Werkstätten und macht deutlich, dass die entscheidenden Impulse für das Studioglas längst nicht mehr nur aus dem Süden der Republik kommen müssen.

„form follows f…" – Ein Jahrzehnt Werkstatt Cornelius Réer

Parallel dazu blickt „form follows f…" auf zehn Jahre Werkstattgeschichte der Glaswerkstätte Cornelius Réer zurück – ein Zeitraum, in dem sich, wie wir heute sehen, auch die Formensprache der deutschen Studioglas-Bewegung weiter ausdifferenziert hat. Der Titel spielt offenkundig auf Louis Sullivans berühmtes Diktum „form follows function" an, lässt die Pointe mit dem offenen „f…" aber bewusst unausgesprochen. So entsteht ein doppelter Verweis: auf die handwerkliche Funktion einerseits, auf das noch Unbenannte andererseits – jene gestalterischen Freiheiten, die gerade in Frauenau seit Erwin Eisch ihren festen Ort haben. Betrachtet man die Sammlung über ein Jahrzehnt hinweg, so entfaltet sie jene Materialkenntnis, die das Glas erst zum künstlerischen Argument werden lässt.

Was lohnt sich für den Besuch?

Frauenau bleibt ein Seismograph für jene Diskurse, die unsere Szene bewegen. Wir empfehlen, vor Reiseantritt die Öffnungszeiten und mögliche Begleitveranstaltungen direkt beim Museum zu erfragen, da der vorliegende Bericht keine konkreten Laufzeiten oder Rahmeninformationen nennt. Wer ohnehin in der Region unterwegs ist, sollte den Besuch mit einem Abstecher in die umliegenden Werkstätten verbinden – die ostbayerische Glasregion lebt vom Wechsel zwischen musealer Sammlung und lebendiger Werkstattpraxis, und genau in diesem Wechsel liegt der eigentliche Bildungswert eines Frauenau-Besuchs.