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St Helens wird zum Zentrum der internationalen Glaskunst

August 2026 öffnet im nordwestenglischen St Helens zum ersten Mal das International Festival of Glass seine Tore, wie die Liverpool City Region Destination Partnership berichtet – und markiert damit…

St Helens wird zum Zentrum der internationalen Glaskunst

Am 27. August 2026 öffnet im nordwestenglischen St Helens zum ersten Mal das International Festival of Glass seine Tore, wie die Liverpool City Region Destination Partnership berichtet – und markiert damit ein Datum, das in der Geschichte des Studioglas gleich doppelt wiegt: Noch nie zuvor wurde das Festival im Nordwesten Englands ausgerichtet, noch nie zuvor hat sich die Glass Art Society (GAS) für diesen Ort entschieden. Die Wahl verrät viel über das Selbstverständnis einer Disziplin, die sich zwischen industriellem Erbe und zeitgenössischer Avantgarde neu verortet.

St Helens: Eine Stadt als kulturelles Gedächtnis der Glaskunst

Wir sehen hier eine jahrhundertealte Beziehung zwischen Ort und Material, die weit über museale Nostalgie hinausreicht. St Helens verdankt seinen Ruf einer Generation von Glasarbeitern, deren Wissen über den Sankey-Kanal bis nach Liverpool und in die Welt gelangte. Sarah Taylor, Executive Director von The World of Glass, bringt es auf den Punkt: Glas sei nicht Teil der Geschichte der Stadt, sondern noch immer Teil ihrer Identität. Jennifer Allison von der Glass Art Society ergänzt, dass man sich bei der Programmplanung bewusst gegen ein rein historisches Narrativ entschieden habe – wer nach St Helens komme, erlebe eine vitale, international vernetzte Szene.

Das Festival, das vom 27. bis 31. August läuft, versammelt drei zentrale Schauen unter einem Dach: die British Glass Biennale, die International Bead and Jewellery Biennale sowie die internationale Mitgliederausstellung der GAS. Damit verdichtet sich an fünf Tagen, was sonst über Jahre verstreut auf Kontinenten stattfindet – ein Treffpunkt, der für Sammler, Studierende und Kuratoren gleichermaßen zur Pflichtstation werden dürfte.

Seattle: Der Gegenpol an der Pazifikküste

Betrachtet man die Entwicklung des Studioglas aus globaler Perspektive, fällt der Blick unweigerlich auf einen zweiten Schwerpunkt: Seattle, wo vom 15. bis 18. Oktober 2026 die achte Ausgabe von Refract: The Seattle Glass Experience stattfindet. Wie Visit Seattle mitteilt, begleitet das Festival eine benchmarkstudie der GAS und von Chihuly Garden and Glass – „Landscape of Glass Art in America 2.0" (2025) –, die Seattle erneut als führendes Zentrum der zeitgenössischen Glaskunst in den Vereinigten Staaten ausweist.

Über 70 Veranstaltungen mit mehr als 130 Künstlerinnen und Künstlern verteilen sich diesmal auf Seattle selbst sowie auf Everett, Bainbridge Island, Issaquah und Tacoma. Drei Jubiläen rahmen das Programm: der 30. Jahrestag von „Chihuly Over Venice", dem wegweisenden internationalen Projekt des Seattleer Ausnahmekünstlers Dale Chihuly, das 35-jährige Bestehen des Seattle Glassblowing Studio sowie fünfzig Jahre Pratt Fine Arts Center – zwei Bildungseinrichtungen, die ganze Generationen von Glasstudierenden geprägt haben.

Was bleibt zu beobachten

Für die Leserinnen und Leser, die ihre eigene Reise- oder Sammlungspraxis an diesen Daten ausrichten, lohnt sich ein Blick auf drei Entwicklungen. Erstens: Die GAS positioniert sich mit der Wahl von St Helens explizit gegen eine reine Konzentration auf die US-Hochburgen und sucht den Dialog mit dem europäischen Industrieerbe – ein Signal, das die kommenden Biennale-Programme beeinflussen dürfte. Zweitens: Refract hat sich vom Stadtfestival zur landesweit beachteten Plattform gewandelt; die begleitende Studie liefert erstmals eine datengestützte Grundlage, an der sich künftige Förderentscheidungen messen lassen werden. Drittens: Beide Festivals verstehen sich ausdrücklich als „skillcation" – also als Reiseform, bei der das eigene Tun im Mittelpunkt steht. Wer also nicht nur schauen, sondern selbst am Ofen stehen möchte, sollte die Anmeldefristen für Workshops und Studioführungen im Auge behalten, die erfahrungsgemäß Wochen vor Festivalbeginn ausgebucht sind.