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Glaskunst in Stourbridge: Von Keith Cummings bis zur Nachhaltigkeit

Am 22. und 28. August 2026 öffnet das Stourbridge Glass Museum zwei Ausstellungen, die den Bogen von vierzig Jahren kiln-formed glass bis zur Frage spannen, was wir wegwerfen. Parallel dazu trifft sich vom 27. bis 31.

Glaskunst in Stourbridge: Von Keith Cummings bis zur Nachhaltigkeit

Vier Häuser, ein Sommer: Glas zwischen Andenken und Aufbruch

August die internationale Glasszene rund um das World of Glass in St Helens. Wir sehen hier einen kleinen Höhepunkt des britischen Glaskalenders, der für unsere Leserinnen und Leser lohnend ist, nicht nur wegen der gezeigten Werke, sondern wegen der kulturellen Verflechtungen, die bis nach Frauenau und zum Werk Erwin Eischs reichen.

Keith Cummings – ein Lehrer für eine ganze Generation

Die Retrospektive "Some Old, Some New" zeichnet vom 22. August 2026 bis zum 27. Februar 2027 das Werk von Professor Keith Cummings nach, von seinen ersten Glasversuchen in den 1960er Jahren bis zu aktuellen Arbeiten. Cummings gehört zu denjenigen, die kiln-forming als international anerkannte Disziplin mitgeprägt haben, durch Lehre, Schriften und technische Forschung. Für unsere Leserinnen und Leser ist das mehr als eine biografische Schau: Cummings' geduldige Auseinandersetzung mit dem Material im Ofen steht in jener Tradition, die auch Erwin Eisch vertrat, als er ab den 1960er Jahren in Europa das Studium des Glases als künstlerisches Medium etablierte. Wer Cummings' Einfluss nachvollzieht, versteht zugleich einen Strang des kontinentalen Studioglas-Booms.

The Other Glass – Nachhaltigkeit als gestalterische Haltung

Ab dem 28. August 2026 und ebenfalls bis zum 27. Februar 2027 zeigt "The Other Glass" zehn Künstlerinnen und Künstler aus sieben Ländern mit scheinbar wertlosem Glas: Flaschen, Fensterscheiben, Bildröhren, Studiokeramik-Reste, Marmeladengläser und lokal gesammelte Materialien. Die Schau verschiebt, was als künstlerisch würdig gilt, und fragt, welche Geschichten in Materialien stecken, die sonst im Container verschwinden. Für die kuratorische Praxis bedeutet das: Nachhaltigkeit ist hier kein Anhängsel, sondern eine eigene Formensprache, vergleichbar mit jener Verantwortung gegenüber dem Material, die viele europäische Studioglas-Pioniere in ihre Lehre getragen haben. Das Spektrum reicht von Skulptur und Glasmalerei über Schmuck bis zu funktionalen Objekten.

St Helens – Pilkington wird 200, und ein Festival kommt hinzu

Vom 27. bis 31. August 2026 feiert die Glass Art Society in St Helens ihr International Festival of Glass, das Hauptprogramm läuft vom 28. bis 31. August rund um das World of Glass. Das Motto "Local Innovation | Global Inspiration" ist nicht zufällig gewählt: 2026 markiert zweihundert Jahre Pilkington, und Glass Futures, das Forschungsunternehmen aus dem Borough, demonstriert nachhaltigere Produktionsverfahren. Drei große Schauen bleiben bis zum 1. November sichtbar, die British Glass Biennale, die International Bead and Jewellery Biennale und die International GAS Member Exhibition. Ergänzend laden Carrie Stropes Gemeinschaftsmosaik und Vorführungen international renommierter Glasbläserinnen und Glasbläser zum Mitmachen ein.

Was Sie jetzt konkret tun können

  • Reise verbinden. Beide Häuser liegen gut erreichbar im West Midlands bzw. Nordwesten Englands. Wer zwischen 22. August und 27. Februar reist, kann Cummings und The Other Glass am selben Tag sehen.
  • Termin im Blick behalten. The Singing Forest läuft vom 23. Januar bis 19. Juni 2027, kuratiert von Dr. Max Stewart, mit Musik von Michael Wolters. Die Schau verbindet Glas und Klang zu einer Auseinandersetzung mit der Verfolgung schwuler Männer im nationalsozialistischen Deutschland, ein Datum, das auch in deutschen Erinnerungskalendern Beachtung verdient.
  • Aktuelle Schau nicht übersehen. Endangered Crafts läuft noch bis 7. November 2026 und fragt, welche Handwerkstechniken des Glasmachens heute vom Verschwinden bedroht sind.
  • Festivalgäste unterstützen ein Haus. Das World of Glass in St Helens stand im vergangenen Jahr wegen einer Förderkrise vor dem Aus und konnte durch Stiftungen und öffentliche Unterstützung weitergeführt werden. Ein Besuch am Festivalwochenende ist auch ein Zeichen für die regionale Identität des Ortes.

So entsteht im Spätsommer 2026 ein dichtes Panorama, vier Jahrzehnte kiln-forming, ein Vierteljahrhundert Recyclingkunst, zwei Jahrhunderte Pilkington. Betrachtet man die Programme zusammen, lässt sich ablesen, wohin sich das Medium bewegt: weg vom reinen Handwerk, hin zu einer Kunst, die Materialbiografie, Erinnerung und Verantwortung zusammenführt.